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Joggen, Fahrradfahren und was sonst so Spaß macht


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Loben

Wir neigen dazu, viel mehr zu kritiseren, zu nörgeln und zu meckern über vieles, was uns nicht passt. Wir schimpfen über dies und das, über uns selbst über Andere…

Lob erfährt man selten und man selber lobt andere auch nicht so häufig.

Bei meinem Pferd habe ich schnell gemerkt, wie wichtig es ist, ihn zu loben, ihm Sicherheit zu geben und ein gutes Gefühl.

Elia ist ein Pferd, das stets bemüht ist, es einem recht zu machen. Er will gefallen.

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Nicht immer klappt alles. Es kommt eben auch mal zu Kommunikationsproblemen. Oder ich mache was falsch .

Wenn er sich bemüht und das, was ich von ihm will richtig und gut macht, dann lobe ich ihn immer. Und so oft spüre ich, wie gut ihm das tut. Manchmal atmet er richtig durch, schnaubt befreiend, wenn ich ihn gelobt habe.  Ihm auch im Umgang bei Kleinigkeiten ein gutes Gefühl zu geben,  fördert unserer beider Beziehung. Deshalb ist mir ein freundlicher, positiver Umgang sehr wichtig und eben das Loben.

Und dann denke ich mir, warum loben wir im normalen Leben so wenig? Wann wurde ich das letzte Mal gelobt? Wie oft lobe ich Andere, wenn ich nicht gerade mit meinem Pferd zusammen bin? Ist dieses Verhalten typisch deutsch?

Wenn das Loben meinem Pferd so gut tut, dann muss es auch den Menschen gut tun oder? Aber im Alltag, im Büro oder sonstwo erlebe ich es, dass wir soo viel meckern und viel zu selten loben oder gar gelobt werden.

Ob das nicht auch anders geht?


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Das Schönste ist…

Die Beziehung zu meinem Pferd und mir wächst und das ist für mich das Schönste, das tagtäglich zu erleben.

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Gestern erst war ich mit ihm auf dem Paddock. Ich habe ihn frei laufen lassen, habe gemerkt, dass er ein wenig übermütig war und wollte ihm Gelegenheit geben, sich auszutoben. Er machte davon auch Gebrauch und bockte ein wenig wild rum.

Immer wieder sah er zu mir rüber, kam zwischendurch wild zu mir galoppiert. Er holte sich seine Streicheleinheit ab und genoß das. Ich lief dann los und er fand es toll, mit mir zusammen zu laufen / traben. Übermütig warf er seinen Kopf hoch und runter. Immer wieder sucht er den Kontakt zu mir mit Blick, mit Gestik, mit körperlichen Kontakt.

Als er sich beruhigt hat und nicht mehr ganz so übermütig war, suchte er mit seinen Nüstern immer wieder meine Hand.

Da ist in den letzten sechs Monaten was gewachsen zwischen uns und wächst jeden Tag ein wenig mehr.

Das ist sehr schön und wohltuend für mich.


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Kleine Fortschritte

Wenn ein Pferd seinen Besitzer wechselt, ändert sich für ihn das ganze Leben. Er wird zu einem anderen Ort gebracht, in einen anderen Stall, hat andere Menschen um sich, die vermutlich andere Erwartungen an ihn haben, als die zuvor.

Passiert so etwas mehrmals, also hat das Pferd häufige Besitzerwechsel, so ist nachvollziehbar, wie stressig das für das Tier ist.

Mein Elia hat so eine Zeit hinter sich. Er hat viele vermutlich schöne Jahre in Holland verbracht und seine Besitzerin war glücklich mit ihm. Und doch war diese Freundschaft nicht für immer. Es folgte eine Reise für ihn mit vielen Stationen. Meinen Recherchen zufolge bin ich mindestens die siebte Station für ihn. Ich hoffe, dass es die letzte für ihn ist.

Was er auf seiner Reise zu mir alles erlebt hat,  kann er mir leider nicht erzählen. Man merkt aber manchmal schon seine Unsicherheit in manchen Situationen. Er ist ein sensibler kleiner Kerl, der sich schnell erschrecken kann. Manchmal kommt es mir vor wie das Spiel „Ich sehe was, was Du nicht siehst“. Da erschreckt er sich vor was, was mir absolut nicht nachvollziehbar ist, springt zur Seite und geht ab und zu auch mal mit mir durch. Das passiert aber nur selten. Ich nehme ihm das nicht übel. Ich weiß von seiner Vergangenheit.

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Was ihm auch überhaupt nicht geheuer ist, ist der Waschplatz. Schon das Betreten dieses Platzes mit dem Wasserschlauch kostet manchmal  Überredungs- und Überzeugungsarbeit. Es ist ein Ort, den er nicht so mag.

Doch wir haben derzeit ein recht warmes Klima. Er schwitzt bei und nach der Arbeit, so dass ein Abspritzen mit dem Wasserschlauch schon angebracht ist.

Gestern erst hatte ich Mühe, ihn überhaupt zum Betreten des Platzes zu bekommen. Und dann das kalte Wasser, iieeh, scheint er mir sagen zu wollen. Und komm mir bitte nicht zu nah an meinen Hals oder gar Kopf damit. Ok, mein Kleiner, ich weiß, Du magst es nicht, rede ich mit ihm oder auch mir selber. Ich nehme Rücksicht drauf, mache es vorsichtig. Aber bitte, vertraue mir und mach mit. Ist doch nur ein bißchen Wasser, tut nicht weh und überhaupt. Gibt echt Schlimmeres und die Abkühlung tut Dir doch gut. Und so bringe wir das Notwendige hinter uns.

Und heute? Heute war ein Tag, da betrat er den Waschplatz ohne  Probleme, wow! Es gab ein dickes Lob von mir. Und dann ließ er sich von mir abspritzen, wow, auch so viel besser als an so manch anderen Tagen. Erst die Hinterbeine von unten nach oben, erst das eine, dann das andere. Dann die Vorderbeine wieder erst das eine, dann das andere, der Wasserstrahl geht höher zur Brust, hm, gar nicht so schlecht oder schlimm, oder?

Er hält still und lässt mich gewähren. Dann geht der Wasserstrahl zur Sattellage und zum Bauch. Ja, ich weiß, mein Kleiner, ist so kalt das Wasser. Aber Du machst das großartig!

Und dann das Ganze noch einmal von der anderen Seite. Fertig. Wasser aus, Schlauch weggelegt und Pferd ganz doll gelobt, weil er es heute so toll mit gemacht hat.

Wir gingen noch ein Stück die Straße auf und ab. Er ging ganz gelassen neben mir her. Ich erzählte ihm wie immer irgendwas. Ich sehe an seinem Ohrenspiel, dass er mir zuhört, mich zwischendurch immer mal wieder sanft anstupst. Ach, ich mag ihn wirklich gerne.

Im Stall dann noch das restliche Pflegeprogramm und ganz viel Zeit nur für ihn in aller Ruhe in seiner Box mit ganz vielen Streicheleinheiten. Er mag das, ich mag das.

Es ist schön zu sehen, dass dieses wunderbare Pferd mir immer mehr vertraut. Ist wirklich so schön, das zu erleben.